Seite ausdrucken print page

„Ich hab’ den Krieg gezeichnet“

Ausstellung von Kinderzeichnungen zum Krieg

Traenengas in meinen Augen - Bild von Sahar MansourTränengas in meinen Augen, heißt das Bild von Sahar Mansour, einer achtjährigen Palästinenserin. Entstanden ist dieses Selbstportrait während der ersten Intifada, dem Aufstand der palästinensischen Kinder gegen die israelische Besatzung. Das Bild stammt aus der Sammlung von Françoise und Alfred Brauner aus Paris, die über mehrere Jahrzehnte Kinderzeichnungen aus Krisen- und Kriegsgebieten in der ganzen Welt zusammengetragen haben.

Aus Teilen dieser Sammlung hat die Cultur-Cooperation eine Ausstellung konzipiert, die seit 1993 mit großer öffentlicher Resonanz in über 150 Städten in Deutschland u.a. Berlin, Bremen, Düsseldorf, Köln, Bonn, Stuttgart, München, Dresden und  Leipzig, in verschiedenen Städten in den Niederlanden, der Schweiz und Österreich, im UNESCO-Gebäude in Paris und dem Goethe-Institut in Johannesburg gezeigt wurde.

Die Ausstellung

kriegskinderbild1Die Ausstellung zeigt Kinderzeichnungen aus dem Spanischen Bürgerkrieg, den KZ's , aus Hiroshima, Vietnam, Kambodscha, Afghanistan, Libanon, Israel, Palästina, der Westsahara, El Salvador, Guatemala, Bosnien, Kroatien, Tschetschenien und Sierra Leone.
 
Die Bilder stammen aus der einzigartigen Sammlung von F. und A. Brauner, die aus der ganzen Welt rund 2.000 Zeichnungen, in denen Kinder und Jugendliche ihre Erlebnisse im Krieg oder auf der Flucht darstellten, zusammengetragen haben. In der Ausstellung werden die Zeichnungen nicht ausschließlich nach Ländern präsentiert, sondern es werden Zeichnungen aus verschiedenen Regionen, die vergleichbare Themen darstellen, wie: - Angst, - Suche nach Sicherheit, - Häuser und Ruinen - das Feindbild, - Verwundete, Tote, - Zeichnungen zum Atomkrieg, - Zeichnungen zum Frieden gegenüber gestellt.

kinderzeichnungDie Bildtexte von A. und F. Brauner liefern Hinweise zur Interpretation der Bilder.
Trotz aller Unterschiede gibt es auch Gemeinsamkeiten in den Zeichnungen, wie z. B. das Bedürfnis nach Harmonie: die schnurgerade Linie der Ruinen in Warschau, die sauber aufgereihten Toten vor den Zelten in der Sahara - Versuche, Ordnung zu schaffen in einer aus den Fugen geratenen Welt.

kinderzeichnungEntscheidend ist, dass die Kinderzeichnungen nicht in therapeutischen Zusammenhängen entstanden, sonder von den Kindern spontan gemalt wurden. Neben Bildern von den Kindern, die Francoise und Alfred Brauner selbst betreut haben, kommen die anderen Zeichnungen überwiegend aus Sammlungen von Kinder-Hilfsorganisationen aus verschiedenen Ländern. Das Ehepaar Brauner hat von diesen Organisationen Kopien einzelner Zeichnungen erhalten, um Kinderzeichnungen aus den unterschiedlichsten Kriegsgebieten einander gegenüber stellen zu können und damit die Schrecken des Krieges für Kinder weltweit aufzuzeigen. Auch in den Fällen, in denen ihnen Originalzeichnungen angeboten wurden, haben sie dies immer abgelehnt, weil sie der Ansicht waren, dass die Zeichnungen das Eigentum der Kinder bleiben sollten.

Warum diese Ausstellung?

Für alle Kriege und militärischen Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte gilt, dass 90 % der Opfer zur Zivilbevölkerung gehören. Die wehrlosesten Opfer sind die Kinder. Über 20 Millionen Kinder leben zurzeit in Kriegsregionen, 10 Mill. Kinder gelten nach Einschätzung von UNICEF als kriegstraumatisiert, und jeder zweite Flüchtling auf der Welt ist heute ein Kind.

kinderzeichnung 2Die Zeichnungen der Kinder werfen ein Schlaglicht darauf, welches Grauen sich hinter diesen Zahlen verbirgt. Damit diese Dokumente des Krieges möglichst vielen Menschen zugänglich werden, hat das Ehepaar Brauner der CulturCooperation einen Teil ihrer Sammlung für diese Ausstellung überlassen.

Die Sammler: Françoise und Alfred Brauner

Dr. Françoise E. Brauner, geb. 1911 in Wien, gest. 2000 in Paris, Medizinstudium in Wien und Paris. 1936 ging sie als Ärztin zu den Internationalen Brigaden nach Spanien, wo sie in Benicasim zwei Jahre in verschiedenen chirurgischen Abteilungen arbeitete und auch Flüchtlingskinder betreute. Ihre Biografie 'Als Ärztin in Spanien' wurde 1991 in 'Äskulap oder Mars? Ärzte gegen den Krieg' veröffentlicht.

kinderzeichnungDr. Alfred Brauner, geb. 1910 in Saint-Mandé/ Frankreich, gest. 2002 in Paris. 1918 zog er mit seinen Eltern nach Wien, wo er später Heilpädagogik und Germanistik studierte. Als die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernommen hatten, ging er nach Frankreich zurück und absolvierte dort seinen Militärdienst. 1937 folgte er seiner Frau nach Spanien und wurde dort als Pädagoge mit der Leitung des Komitees für Flüchtlingskinder der Internationalen Brigaden beauftragt.

Nach dem Ende des Spanischen Bürgerkrieges betreute das Ehepaar Brauner in Frankreich jüdische Kinder, die 1939 mit einem der letzten Kinder-Transporte aus Deutschland fliehen konnten. 1940 schlossen sie sich im besetzten Paris der Résistance an und entgingen mehrmals nur knapp der Verhaftung durch die Gestapo. Unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkrieges betreuten sie 440 Kinder, die als Überlebende aus den Konzentrationslagern Auschwitz und Buchenwald nach Frankreich gebracht wurden.

kinderzeichnungEinige Jahre später verwirklichten sie ihren gemeinsamen Traum und gründeten 1950 in Saint-Mandè, am Rande von Paris, die erste Tagesklinik für mehrfach behinderte Kinder in Frankreich, die Françoise bis zu ihrer Pensionierung als Chefärztin leitete.

Für ihre wissenschaftlichen Studien zu den Auswirkungen von Krieg und Verfolgung auf Kinder und über Autismus, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden, erhielten F. und A. Brauner mehrere Auszeichnungen, darunter die Prinzhornmedaille. Ihre Studien über Kinderzeichnungen im Krieg begannen sie während des Spanischen Bürgerkrieges. Aber auch nach dem Ende des Krieges ließ ihnen das Thema keine Ruhe: Immer, wenn sie unterwegs waren und z.B. als Gründungsmitglieder der französischen Sektion der „Ärzte gegen den Atomkrieg" nach Hiroshima eingeladen wurden, fragten sie nach Kinderzeichnungen. Von den Kinderzeichnungen machten sie Kopien, und so entstand im Laufe von 50 Jahren eine Sammlung mit rund 2000 Kinderzeichnungen aus Kriegsgebieten in der ganzen Welt. In ihrem Buch 'Jai dessiné la guerre/ Le dessin de l'enfant dans la Guerre' haben sie über 200 Bilder aus ihrer umfangreichen Sammlung analysiert und veröffentlicht.

Informationen zur Ausleihe

pdf-logoWeitere Informationen zur Ausleihe der Ausstellung finden Sie in diesem Dokument: Informationen zur Ausleihe.pdf